Der CVJM und sein Haus "An der Alster 40"

 

Der CVJM zu Hamburg besaß in seiner Geschichte diverse Häuser und nutzte sie für die satzungsgemäßen Zwecke. Der folgende Text ist ein kurzer Auszug aus der Untersuchung des Historikers Jürgen Wehrs zu diesem Thema:

 

„Da das Vereinshaus an der Esplanade inzwischen auch reparaturbedürftig geworden war, wurden neue konzeptionelle Überlegungen über die weitere Betreibung des Hauses erforderlich. Diese gingen dahin, für die Vereinsarbeit ein anderes Haus an einem anderen Standort zu beziehen und an dem bisherigen Standort Esplanade einen modernen Hotelbau zu errichten, der die Geldmittel erwirtschaften sollte, die für die Betreibung der Vereinsarbeit nötig waren.

(1927)  erwarb er (der Verein) … zu dem bisherigen Vereins-Grundstück ein zweites Haus dazu. Die Umbauarbeiten am neuen Standort waren erheblich und kostspielig.

Zur wirtschaftlichen Krise kam die politische: 1939 wurde der Verein auf Verfügung der Gestapo aufgelöst und das Vereinsvermögen musste liquidiert werden. Eine CVJM-Arbeit konnte in der Zeit des Krieges im Haus an der Alster nicht mehr stattfinden.

Allen Nachkriegshindernissen zum Trotz konnte der Verein sein Haus am 30. Mai 1948 wieder eröffnen und in Betrieb nehmen. … Auch Bürgermeister Max Brauer war bei der Einweihungsfeier dabei und sagte u.a.: „Ich habe in meinem Leben während der letzten 50 Jahre etwas von der weltweiten Arbeit der CVJM kennengelernt. Wenn diese Arbeit in Hamburg wieder beginnt, so möge sie von Segen getragen sein.“

Bei dem Wiederaufbau des Hauses gab es auch Unterstützung aus dem Ausland. Allen voran ist der CVJM Stockholm zu nennen, der damit der langjährigen Zusammenarbeit mit den Skandinaviern in Hamburg einen neuen Akzent gab.

Im wiederbezogenen Haus entwickelte sich die Gruppenarbeit des CVJM erneut zu großer Blüte. Das Haus wurde aber auch bald zu einer Anlaufstelle für Heimkehrer und Heimatlose im Nachkriegsdeutschland. So warb der CVJM 1948 mit folgender Anzeige: „Das neue Heim für Heimkehrer – herrlich an der Außenalster gelegen, nach hinten mit einem großen Garten, im Innern mit hohen freundlichen Räumen, ladet dich ein, jede freie Stunde, besonders die Sonntag-Nachmittage dort zu verbringen im Kreis froher Menschen, die sich über dein Kommen freuen. Das ist seelischer Trümmerausgleich.“ Im Rahmen der so genannten  Gildenarbeit bot der CVJM Flüchtlingen auch Übernachtungsmöglichkeiten im Haus An der Alster 40 an. …

Seit den fünfziger Jahren wurde weiter an einer verbesserten Innenausstattung des Hauses gearbeitet. So konnte im Jahr 1951 zum Beispiel das Empfangszimmer neu und einladend gestaltet werden. Eine größere Umbaumaßnahme stand Mitte der sechziger Jahre an. In einer Vereinsmitteilung kann  man dazu lesen: „Die Pläne für den Umbau unseres Vereinshauses sind soweit abgeschlossen, dass nunmehr mit den Arbeiten begonnen werden kann, falls die Bürgerschaft endgültig einen Teil der erforderlichen Umbaukosten genehmigt. Vorgesehen sind eine gründliche Überholung und Modernisierung, wobei zwei Treppenhäuser verschwinden, neue Toiletten gebaut, die Garderobe verlegt, das Restaurant vergrößert und in der 1. Etage Büro- und Clubräume erweitert und neu gestaltet werden.“ Bis zur Fertigstellung der Umbaumaßnahmen dauerte es dann allerdings noch etwas, aber am 16. Dezember 1966 konnten die neugestalteten Räume offiziell eingeweiht werden.

Von weiteren kleineren Umgestaltungen und Instandsetzungen in den folgenden Jahren abgesehen, war das die letzte größere Umbaumaßnahme, die der CVJM Hamburg in seinem Haus An der Alster 40 durchgeführt hat. …

Als Resümee kann festgehalten werden, dass die Arbeitsformen des CVJM Hamburg in seiner bis jetzt mehr als 125jährigen Geschichte wesentlich von seinen Häusern mitbestimmt worden sind. Seit seiner Gründung im Jahr 1890 hat er Standorte im Zentrum der Stadt Hamburg gehabt, die für Jugendliche und junge Erwachsene gut erreichbar waren und zu lang anhaltenden Anziehungspunkten wurden. Der CVJM war bestrebt, diese Häuser als einladende und gastfreundliche Lokalitäten zu gestalten, die bei Mitgliedern und Besuchern oft eine längerfristige Bindung zur Folge hatten. Der Blick in die Geschichte zeigt auch, dass dieser Anspruch nur zu halten war, wenn es dem Verein gelang, den Standard des jeweiligen Hauses den zeitlichen Anforderungen anzupassen, wenn nicht gar durch die erreichten Standards beispielgebend zu sein.

Eine ganze Zeit lang ist dies durch Stiftungen möglich geworden. Die Großzügigkeit, mit der Frauen wie Clara Schröder, der der CVJM Hamburg mit einer am Hauseingang angebrachten Gedenktafel ein bleibendes Stück Erinnerung geschaffen hat, und Männer wie Hermann Fölsch die Arbeit unterstützten, könnte man ebenso beispiellos wie beispielgebend nennen. Erst auf der Grundlage solcher Schenkungen war es dem CVJM Hamburg möglich, attraktive Häuser für die Jugend- und Jungerwachsenen-Arbeit zur Verfügung zu stellen. Über solche Mittel verfügt der CVJM Hamburg heute nicht mehr. Er ist gezwungen die Mittel, die er für seine Arbeit weiterhin braucht, selbst zu erwirtschaften bzw. sich zur Finanzierung einzelner Vorhaben um Zuschüsse zu bemühen."

Jürgen Wehrs

  1. März 2017
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