Günter Lemke, Vorstandsmitglied des CVJM Hamburg e.V., geht in einem Kommentar auf den Begriff des Weltbürgers aus christlicher Sicht ein. Einmal im Monat ist Günter Lemke Gastgeber der Gruppe „Glaubensfragen – Lebensfragen“ im Haus an der Alster

Günter Lemke – Zur Frage, wie diese Welt entstanden ist, wer sie erschaffen hat, haben sich seit der werdenden Menschheitsgeschichte viele Menschen Gedanken gemacht und Entstehungsszenarien entwickelt. Eine finden wir in der Entstehungsgeschichte des hebräisch-jüdischen Volkes, aufgeschrieben in dem Buch Genesis. Da heißt es gleich zu Beginn: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ – Ein Schöpfer wird also vorausgesetzt, ohne ihn näher zu beschreiben.

Dann werden die einzelnen Schöpfungsbereiche aufgezählt, an deren Ende als Schöpfungsabschluss der Mensch in zweierlei Gestalt, als Mann und als Frau, steht, die als Abbild des Schöpfers bezeichnet werden. Der Mensch wird beauftragt, im Sinne des Schöpfers, als Verwalter der Schöpfung, zu wirken.

Im zweiten Kapitel des Genesisbuches wird auf die Erschaffung des Menschen etwas detaillierter eingegangen. Es wird der Mensch quasi als Prototyp-Mensch erschaffen, aus Erde geformt: Der erste Weltbürger. Dieser vermehrt sich getreu der Anweisung „seid fruchtbar und mehret euch“, und bevölkert die Erde. Das Ergebnis kennen wir: Es wird nicht beim Prototyp-Mensch bleiben. Evolutionäre Entwicklungen schaffen viele äußere Varianten von „Mensch“: Die unterschiedliche Gestalt von Erde und Natur prägt vielfältige Lebensformen, Denkweisen und Glaubensrichtungen der Erdbewohner. Die Verschiedenartigkeit führt zu Kontroversen in Staatsformen, Religionen, Werten, Besitzansprüchen, die häufig in kriegerischen Auseinandersetzungen enden.

Das ist das Ergebnis in unserer Zeit: Die Menschheit hat sich die Welt, unsere Erde, untertan gemacht – Aber wie?!

Weltbürger sind der Protest gegen Aus- und Abgrenzung, der Protest gegen nationalistische Tendenzen. Weltbürger – citizen of the world – streben nach Einigkeit in der Vielfalt: Der Verfasser des Johannes-Evangeliums (Kapitel 17, Vers 21) lässt Jesus beten, „auf, dass sie alle eins seien“ in seinem Sinne. Was wir auch verstehen als Einssein in gemeinsamen Werten – Dieser Satzteil ist das Leitwort des weltweiten CVJM/YMCA und ebenfalls auf die Ehrennadel geprägt.

Auf der Ehrennadel des CVJM Weltbundes ist der Bezug auf Johannes 17, Vers 21 zu sehen: auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt / that all of them may be one, Father, just as you are in me and I am in you. May they also be in us so that the world may believe that you have sent me.

Dass der CVJM Weltbund sich diesem Thema annimmt, erkennt man auch an einer Gebetswoche aus dem Jahr 2009, die hieß: „Weltbürger werden – globale Nächstenliebe üben“

Dieses Einssein, diese Einigkeit ist hier zwar für den Glauben an Jesus und an Gott gemeint, kann jedoch auf die Ideale eines Weltenbürgers erweitert werden. Das heißt Einssein in gemeinsamer Verantwortung für diese Welt, wie in Genesis 1 Vers 28-30 göttlich vorgegeben.

Im CVJM Hamburg haben sich junge Leute zusammengefunden, die sich als Weltbrüger, als Citizen of the World, verstehen und leben wollen. Sie sind ein Zeichen für die Liberalität des Hamburger CVJM in der Nachfolge des historischen Menschen Jesus aus Nazareth.

„Weltbürger sind der Protest gegen Aus- und Abgrenzung“

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